02.07. – 20.09. 2014

Peking 2012 © Jacob Aue Sobol / Magnum Photos

Vor zwei Jahren brach der dänische Magnum Fotograf Jacob Aue Sobol zu einer Reise auf: Quer über den asiatischen Kontinent, von Moskau über Ulan Bator nach Peking. Arrivals and Departures ist das fotografische Logbuch dieser Reise. Aufgezeichnet mit der Leica M Monochrom erzählt es in dichten Schwarzweißbildern von Sobols Begegnungen mit den Menschen entlang der Transsibirischen Eisenbahnlinie. Dabei sind die Fotografien nie der flüchtige Bericht eines Durchreisenden, im Gegenteil: Sobols Porträts kennzeichnet eine fast schmerzhafte Intensität, die Intimität der Bilder lässt keinen Betrachter unbeteiligt zurück.

„Ich hatte diese Reise schon immer machen wollen: die legendäre Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Dänemark, wo ich herkomme, hat man in fünf Stunden mit dem Zug durchquert, in Russland dagegen sind die Entfernungen gewaltig. Ich war neugierig darauf, wie sich diese Verbindung zwischen Menschen und Orten anfühlen würde, schließlich würde ich auf meinem Weg jeden Baum, jedes Haus und jedes Dorf zwischen hier und Peking passieren. Der erste Schock erwartete mich schon, als ich in den Zug stieg – er war vollkommen leer. Der Plan, Mitreisende zu treffen und Geschichten aus der Enge der Zugabteile zu erzählen, war dahin. Angesichts dieses Geisterzugs musste ein neues Konzept her. Die Nähe musste aus den Begegnungen mit den Menschen entlang der Strecke entstehen, die Gleise waren der rote Faden, der Moskau, Ulan Bator und Peking verband. Im Zug klebte ich letztlich mit der Kamera am Fenster und fotografierte die vorbeiziehende Landschaft, von den russischen Wäldern über die mongolische Wüste durch die Berge nach Peking. Nicht nur Russland, die Mongolei und China waren dabei unbekanntes Gebiet für mich – meine Ausrüstung war es genauso. Zum ersten Mal benutzte ich eine Digitalkamera. Alles war neu, andererseits blieb mein Ziel dasselbe wie zuvor: Die Kamera ist mein Werkzeug, mit ihr stelle ich die Verbindung zu den Menschen her, erzeuge Nähe, Intimität.

Jedes Mal, wenn ich ein neues Projekt beginne, fotografiere ich zuerst in Farbe, aus Angst mich zu wiederholen. Später wird mir dann klar, dass es nie eine rationale Entscheidung ist. Wenn ich keine Beziehung zu den Bildern herstellen kann, wenn ich nicht diesen Stich in der Magengrube fühle, dann bedeuten sie mir nichts, deshalb komme ich dann doch immer wieder zum Schwarzweiß zurück und finde meine Stimme wieder. Die Arbeit in Schwarzweiß war für mich immer der direkteste Weg, existenziellere Fragen anzusprechen. In Schwarzweiß kommt es mir vor, als wären die Bilder nicht an einen bestimmten Ort oder an eine Zeit gebunden – sie schaffen sich ihr eigenes Universum.

Mich hat es nie interessiert, etwas von der anderen Seite der Straße aus zu beobachten, genauso wenig, wie als Fotograf unsichtbar zu bleiben. Ich hoffe, das ist der Grund, warum niemand sich beim Betrachten meiner Bilder als Voyeur fühlt – man ist ein Teil von ihnen. Für mich ist das der Punkt, an dem die Bilder vom bloßen Zeigen zum Sein wechseln, wenn sie keine Geschichte mehr von ‚denen‘ erzählen, sondern von ‚uns‘.“ Jacob Aue Sobol