06.06. – 12.09. 2015

kinky


1 closely twisted or curled
2 relating to, having, or appealing to unconventional tastes especially in sex
3 outlandish, far-our
aus: Merriam Webster Dictionary

 

„Die westliche Auffassung vom Körper als Quelle der Sünde hat in Japan nie Fuß gefasst. Das Konzept von rein vs. unrein existiert in diesem Zusammenhang nicht. Sex, Erotik, Pornografie – all dies ist Teil des Lebens, der Kunst zumal, ein natürliches menschliches Bedürfnis, das in Japan keiner moralischen Wertung unterworfen wird. Was jemand mit seinem Körper anstellt ist seine Privatsache“ (Natalia Czarkowska im Katalogtext zu Kinky City, 2014)

 

Die Nächte in Tokio sind voller Spielzeug. Puppen, Kostüme, Nadel und Faden, Masken, Fancy Dress und – im Dunkeln verborgen – Etliches mehr. Freilich handelt es sich um Spielzeug nicht für Kinder, sondern für Erwachsene. Paweł Jaszczuk hat sie beim Spielen beobachtet. Das ging nicht von heute auf morgen. Über drei Jahre hinweg hat er sich nach seinen Dayjobs in das Nachtleben der Millionenstadt gestürzt, hat sich zu später Stunde auf sein Fahrrad geschwungen und sich auf die Suche gemacht nach den Swinger Clubs und Happening Bars, den Couple Kissas und privaten Sex-Parties von Tokio. Er hat die Besitzer für sich gewonnen, hat an den Tresen und in den Separees gesessen, schlechte Musik gehört und die Gäste davon überzeugt, sich beim Ausleben ihrer Fantasien von ihm ablichten zu lassen. Dabei übernahm er den Part des Voyeurs, der in den Clubs ohnehin fester Bestandteil des Rollenangebots ist – gewöhnlich natürlich ohne Kamera.