03.10.2014 – 14.02.2015

Mit der Ausstellung SOUNDS OF VIENNA feiert die Leica Galerie Wien einen der Großen der Österreichischen Fotografie: Franz Hubmann, der heuer am 2. Oktober einhundert Jahre alt geworden wäre. Das Fotomuseum WestLicht hatte vor genau zehn Jahren, zum neunzigsten Geburtstag des Fotografen, seine letzte große Wiener Ausstellung zu Lebzeiten ausgerichtet.

Wie kein anderer hat Franz Hubmann, der Zeit seines Lebens mit der Leica fotografierte, es verstanden, den Klang der Straße aufzunehmen, das Wiener Leben mit seinen Caféhäusern, Bohémiens, Fiakern und Tandlern in seinen Bildern einzufangen. In der Ausstellung begegnet man ihnen wieder: dem legendären Oberkellner Ali aus dem Café Hawelka, der mittlerweile mindestens genauso bekannt ist, wie seine literarischen Gäste, dem frierenden Blumenhändler am Stadtpark oder der Frau, die ihren Gummibaum im Kinderwagen durch Döbling spazieren fährt. Hubmanns untrügliches Gespür für den Augenblick brachte ihm den Ehrentitel „Henri Cartier-Bresson Österreichs“ ein, aber natürlich war er ein Meister der Fotografie aus eigenem Recht, der „unbestechliche Chronist des Wesentlichen und vermeintlich Unwesentlichen“, wie André Heller ihn einmal nannte.

Als passionierter Musikliebhaber war nicht nur der Klang der Stadt Hubmanns Metier, auch die internationalen Größen der Musik, die in den Nachkriegsjahrzehnten Wien besuchten, versammelte er vor seiner Kamera: Der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin, Pianist Friedrich Gulda bei einem seiner ersten Konzerte in der Hauptstadt, Herbert von Karajan bei den Proben im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Neben der Klassik waren es die Jazz-Konzerte, die Hubmann in den 1950er und 60er Jahren anzogen. Joachim Lieben brachte mit seiner Agentur die „Jazz at the Philharmonic“-Reihe, kurz JATP genannt, nach Wien, und damit die erste Garde der internationalen Jazz-Szene. In Hubmanns Fotografien überträgt sich die Leidenschaft, der Drive und die Coolness der Auftritte so begnadeter Musiker wie Louis Armstrong, Miles Davis oder Nat King Cole und man kann sich leicht vorstellen, wie der Jazz in die österreichische Tristesse der damaligen Zeit einschlug. Literarisches Pendant zu den Improvisationen der Jazz-Solisten waren die anarchistischen Soireen der Wiener Gruppe um H.C. Artmann, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener. Mit ihren an Dadaismus und Surrealismus geschulten Perfomances forderten sie den konservativen Geist der Nachkriegskultur heraus, und selbstverständlich war Hubmann dabei, um die inzwischen legendären Aufführungen mit seiner Leica zu dokumentieren.